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AntifaschistInnen sind TerroristInnen?

AntifaschistInnen sind TerroristInnen?

AntifaschistInnen sind TerroristInnen?

Diese Meinung haben der US-Präsident Donald Trump und auch viele in Deutsch­land. Gerade in einer Zeit, in der Rassenunruhen in den Staaten herrschen, All­tagsrassismus und Antisemi­tismus auch in Deutschland wieder salonfähiger werden, ist es geradezu absurd, den Kampf gegen den Fa­schismus als terroristischen Akt ein­zustufen. Hat sich doch gerade am 08. Mai dieses Jahres der Tag der Befrei­ung zum 75. Mal gejährt. Er markiert den wichtigsten Tag im Kampf gegen den Faschismus. Doch verblasst die­ser Kampf in der öffentlichen Wahr­nehmung zunehmend. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Zeitzeugen, die die grausamen Machenschaften des Nationalsozialistischen Regimes am eigenen Leib erlebt haben. Mit ih­nen verschwindet einer der wichtigen Pfeiler der Erinnerungskultur in einer Zeit, in der weltweit der Hass auf das Andersartige Hochkonjunktur hat. Immer öfter werden die Verbrechen der Faschisten relativiert oder gar komplett geleugnet. Dabei begegnen uns gerade in Hamburg fast tagtäg­lich kleine Zeichen, die diese Grau­samkeit markieren. Sie hängen nicht in der Luft oder an Wänden. Sie lie­gen zu unseren Füßen: Stolpersteine. Ein Leben auf drei Punkte runterge­brochen, finden wir die Stolpersteine vor den Wohnorten von Ermordeten des NS Regimes.

In Schnelsen, das erst im Jahr 1937 nach Hamburg eingemeindet wurde, beherbergen wir fünf Stolpersteine an drei Standorten:

Pinneberger Straße 15: Jürgen Frank, geboren 1939, eingewiesen 1943 in die Heilanstalt Eichberg, ermordet 1943. Als Jürgens Mutter an Krebs erkrankte und sein Vater in den Krieg zog, wurde er an ein Heim der Na­tionalsozialistischen Volkswohlfahrt übergeben. Dort wurde als anormal beschrieben. Anscheinend körperlich und geistig zurückgeblieben, aber zufrieden. Nach einem kurzen Auf­enthalt in den Alsterdorfer Anstalten wurde er in die Heilanstalt Eichberg verlegt. Abteilung Kinderfachabtei­lung. Er überlebte die Kinder-Eutha­nasie nur 10 Tage.

Frohmestraße 42: Elisabeth Kor­patsch, geboren 1927, deportiert 1943 nach Auschwitz, ermordet 1943. Die Tochter eines Sinti-Ehepaares leb­te vier Jahre in Schnelsen in einer Pflegefamilie. Sie besuchte zwei Jah­re die Schule in der Frohmestraße. Nach ihrem Schulabschluss begann sie eine Ausbildung zur Friseurin. Sie überlebte das „Zigeunerlager“ nur zwei Monate.

Flagentwiet 5: Hannchen Elkeles, geboren 1868, deportiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet 1942 .

Alphons Elkeles, geboren 1896, de­portiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet 1944 in Auschwitz.

Ida Elkeles, geboren 1895, deportiert 1942 nach Theresienstadt, ermordet 1944.

Die jüdische Familie lebte seit 1936 in der Flagentwiet, die damals noch Schwarzer Weg hieß. Im Jahr 1941 kaufte Alphons für sich und seine Frau Ida, die zu diesem Zeitpunkt im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert war, für 13.300 Reichmark Plätze im „Alters­getto“ Theresienstadt. Die Mutter von Alphons, Hannchen, kauft sich einen Platz für rund 1.625 Reichmark in Theresienstadt. Die drei gaben da­mit sämtliche Ersparnisse aus und kauften sich einen Tod auf Raten. Mit dem zweiten Transport von Ham­burg nach Theresienstadt kamen die drei 1942 an. Vier Monate nach An­kunft verstarb Hannchen angeblich an einer Gallenblasenentzündung. Im September 1944 verstarb Ida, ver­mutlich an Hunger, Kälte und Krank­heit. Alphons wurde im Oktober nach Auschwitz transportiert, wo er sofort ermordet wurde.

Der Kampf gegen den Faschismus muss immer eine der obersten Auf­gaben der Sozialdemokratie sein. Niemals dürfen wir diesen aufgeben. Niemals dürfen wir die Opfer verges­sen. Auf Initiative der Jusos Nien­dorf, Lokstedt und Schnelsen haben Armin und ich die oft vergessenen Stolpersteine in der Flagentwiet ge­reinigt. Gemeinsam wollen die Ju­sos und die SPD Schnelsen auch in Zukunft für einen guten Zustand der Stolpersteine sorgen.

Euer Nico Martens