• info@spdschnelsen.de

Diese Sendung war ein Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft

Diese Sendung war ein Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft

Warum die Aussagen im WDR-Talk „Die letzte Instanz“ so gefährlich waren und einen neuen Höhepunkt der Rassismus-Diskussion mit sich bringen

Durch die erneute Ausstrahlung der WDR-Talkrunde „Die letzte Instanz“ vom 29. November 2020, in der Moderator Steffen Hallaschka mit vier „weißen“ Gästen – von denen keiner über eine eigene Migrationsgeschichte verfügt – über gesellschaftliche Themen diskutierte, kam das Thema rassistischer Sprachgebrauch auf. Der Tenor der Talk-Runde ist dabei exemplarisch an der Frage „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?“ festzumachen, wogegen die Gäste geschlossen stimmten. Daraufhin folgten Aussagen, die aus der rechtspopulistischen Ecke bekannt sind und die sich widerspruchslos in dieser verorten lassen können. Doch genau hier liegt das Problem. Die Gäste der Talk-Runde sind allesamt Prominente gewesen, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen und sich gerne selbst in dieser darstellen.

Es besteht leider immer noch kein Konsens darüber, dass Alltagsrassismus ein großes gesellschaftliches Problem ist – wie auch? Die Betroffenen bekommen dabei in der Regel keine Stimme. Wenn man über Rassismus in unserer Gesellschaft reden möchte, dann doch mit den Menschen, denen Rassismus widerfährt, und nicht über sie. Und wenn sich dann noch Menschen – die als Personen des öffentlichen Lebens die vermeintlich Verbündeten im Kampf gegen Rassismus sein sollen – darüber lustig machen, ist das besonders schlimm. Es macht einen unfassbar wütend, wenn man gegen den Alltagsrassismus und die Diskriminierung in unserer Gesellschaft ankämpft und einem dann so etwas entgegenschlägt. Wenn nun also derartige Relativierungen von Rassismus, die empathielos, unkritisch und naiv mit dem Thema Alltagsrassismus umgehen, zeigt uns das, dass wir es hier mit einer Spaltung der Gesellschaft zu tun haben, die besorgniserregend ist.  Der so genannten „Mitte der Gesellschaft“ scheint immer noch nicht bewusst zu sein, was für Anfeindungen einigen unserer Mitbürger*Innen tagtäglich widerfahren. Wie sehr diese täglichen Nadelstiche belasten.

Diese Sendung könnte – wieder einmal – Grenzen nach rechts geschoben haben. Eben weil die Debatte nicht von den „üblichen verdächtigen“ Rassisten geführt wurde, sondern eben von denjenigen, die wir „mögen und seit Jahren kennen“. –  Das macht die Sendung so gefährlich und verletzt mehr als so manche Äußerungen der AfD.

Wenn man dem WDR-Talk dennoch etwas Gutes abgewinnen möchte: Dann, dass es jetzt hoffentlich endlich mal eine richtige Debatte über Alltagsrassismus geben wird – und zwar mit den Betroffenen und nicht über sie. – Dafür werden wir aber unseren Beitrag leisten müssen!

von Danial Ilkhanipour