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Eine Erbschaft für Alle?

Eine Erbschaft für Alle?

Mitte Juli hat das DIW Daten erhoben, die Aufschluss über die Vermögensverteilung der Deutschen geben. Interessant sind die Daten, da man die Zahlen zuvor nur schätzen konnte und die Ungleichheit an Vermögen zwischen arm und reich viel gravierender ist als vorher angenommen. Somit schätzt sich das Vermögen der reichsten Deutschen auf mehr als 10,3 Billionen Euro. Die reichsten 10 Prozent besitzen mehr als 67 Prozent, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung über knapp ein Prozent des Vermögens verfügt.

Das sind nur ein paar Zahlen, welche diese enorme Ungleichheit und Unfairness visualisieren. Verständlicherweise grübelt man, damit konfrontiert, über mögliche Lösungswege. Dass wir dafür progressive Mehrheiten bei der nächsten Bundestagswahl brauchen, ist selbstverständlich, doch die Werkzeuge nicht. Wir können froh darüber sein, in einem sehr starken Wohlfahrtsstaat zu leben. Gleichwohl ist aber genau diese Gegebenheit, in Zusammenhang mit niedrigen Löhnen – denn wir haben immer noch einen der größten Niedriglohnsektoren europaweit –  ein Grund dafür, dass sich bei dem ärmeren Teil der Bevölkerung, auch über Generationen hinweg nicht sonderlich viel Vermögen ansparen lässt.

Ein höherer Mindestlohn von 12 Euro würde den unteren 50 Prozent sicherlich bei einer Vermögensbildung helfen. Doch damit allein ist noch nichts getan. Es muss meiner Meinung nach gleichzeitig eine Steuerreform auf den Weg gebracht werden, welche untere und mittlere Einkommen weniger und höhere Einkommen drastischer besteuert. Ich bin bei den bisher genannten Vorschlägen guter Dinge, dass eine SPD- geführte Regierung Ergebnisse liefern wird. Jedoch reicht auch das nicht aus, um wirklich für Chancengleichheit zu sorgen und die Schere zwischen Arm und Reich ein für alle Mal zu schließen. Daher finde ich, wir sollten neu über das Thema Erbschaften nachdenken. Wenn das Leistungsprinzip nicht mehr gilt, kleine Erbschaften mehr Erbschaftssteuer zahlen als große und eine Erbschaft nichts weiteres als Glück ist,  dann sollten wir uns vielleicht den einen oder anderen Gedanken zu Vorschlägen wie das „Erbe für alle“ machen, welches Thomas Piketty in seinem Buch „Kapital und Ideologie“ diskutiert. Da unser Parteivorstand sehr breit aufgestellt ist, bin ich auch hier guter Dinge, dass auch solche scheinbar radikalen Ideen vernünftig diskutiert werden können.