• info@spdschnelsen.de

Post-Digitalisierung im 21. Jahrhundert

Post-Digitalisierung im 21. Jahrhundert

Post-Digitalisierung im 21. Jahrhundert

Die Digitalisierung nimmt grad erst richtig Fahrt auf. Sie wird kommen und das Tempo wird immer schneller. Das Besondere dabei ist, dass die Digitalisierung die erste Revolution sein wird, die die Chance hat, das Leben aller Menschen nachhaltig zu verbessern, aber auch die Welt zu zerstören. Daher ist es so enorm wichtig, heute die Weichen zu stellen.

Nun zu Beginn sollte man vielleicht erstmal feststellen, was ist die Digitalisierung? Sie ist der Thermomix, der Nano-Roboter, der Krebszellen gezielt angreifen aber auch die massenhafte Vernichtung von Millionen von Arbeitsplätzen verursachen kann. Wir können also festhalten, dass die Digitalisierung weder gut noch böse ist. Wie der Beruf des Köhler oder Schriftsetzer werden einige Berufe in den nächsten Jahren verschwinden, und das ist in Ordnung. Denn warum sollte der Mensch nicht Arbeit abgeben, die Technik schneller, günstiger und ggf. Ressourcen schonender erledigen kann. Der Begriff Roboter leitet sich aus dem Tschechischen ab und bedeutet Sklave. Und wie der Schriftsteller Kurt Vonnegut so passend schrieb: „Maschinen sind Sklaven. Jeder, der mit einem Sklaven konkurriert, wird selbst zum Sklaven.“.

Nun macht aber grade Arbeit ein Großteil unseres Lebens aus, bietet soziale Kontaktpunkte und bildet die Grundlage der wirtschaftlichen Existenz. Wie fängt man als Gesellschaft dieses Wegfallen finanziell und sozial auf? Diese Frage muss eine der Leitfragen der Sozialdemokratie sein. Ansätze und Herausforderungen gibt es viele. So kann das Ziel der nächsten Generationen die Rettung unserer Erde sein. Vermüllte Ozeane und Landstriche sowie die Wiederaufforstung gerodeter Gebiete. Auch wird es in unserer Gesellschaft immer Menschen geben, die Hilfe brauchen. Doch wie soll man das alles bezahlen? Wie soll ein Staat eine Grundsicherung garantieren, wenn ein Großteil der Erwerbstätigkeiten verschwinden? Simpel gesagt: durch faire Besteuerung von Unternehmen. Unternehmen, die Arbeitsplätze wegrationalisieren, sollen dies tun – aber nur, wenn sie dann langfristig eine Digital/Maschinensteuer für jeden verlorenen Arbeitsplatz zahlen. Steuern müssen dort gezahlt werden, wo die Umsätze eingenommen werden, und vor allem muss es ein Umdenken in der Besteuerung von digitalen Konzernen wie zum Beispiel Google und Facebook geben. Der Wert solcher Konzerne lässt sich nicht in reinen Umsätzen dieser Firmen bemessen, das Wissen ,was sie durch deren Benutzung erwerben, ist um ein Zigfaches höher. Hier wird aber auch deutlich, dass wir diese Herausforderung nicht national lösen können. Nur eine europäische Lösung kann unsere Volkswirtschaft so schützen, dass wir die Eruptionen der Digitalisierung als Gesellschaft überleben.

Aber was ist nun, wenn wir einfach abwarten und schauen, was passiert, ohne notwenige Veränderungen anzustoßen? Großkonzerne wie Amazon würden ihr Ziel des Monopols erreichen. Schon jetzt besitzen bestimmte Unternehmen eine so eklatant große Markmacht, dass es an ein Monopol grenzt. Amazon, Google, Apple und Facebook bauen ihre Marktfelder systematisch aus. So ist Amazon seit Jahren weit mehr als ein Onlinehändler. Mit der Tochterfirma Amazon Web Services sind sie ein marktbeherrschender Anbieter im Bereich Cloud-Computing. Diese vier Unternehmen besitzen so viel Macht, dass sie es schaffen, sich demokratischer Kontrolle zu entziehen. Was mit unseren Daten geschieht, ist ein „Geschäftsgeheimnis“. Wobei wir unlängst seit dem Cambridge Analytica Skandal und der U.S. Wahl 2016 wissen, wie leicht unsere Daten aus Gewinninteresse missbraucht werden können.

Die Gefahr ist aus meiner Sicht nicht, dass wie in George Orwells 1984 der Staat zum Feind der Menschen wird, sondern dass wir uns Unternehmen züchten, die es werden. Schon jetzt entscheiden diese vier Unternehmen maßgeblich, was ein Großteil der Menschheit als relevant zu empfinden hat. Dies passiert verdeckt durch ihren Algorithmus, der wiederum ebenfalls „Geschäftsgeheimnis“ ist.

Nun wird wohl die größte Herausforderung sein – während viele noch der Schreibmaschine oder Floppy Disk nachtrauern – das Bewusstsein zu schaffen, dass Technik nichts Optionales ist, sondern eine Symbiose mit dem Menschen eingeht.